Longieren mit Hunden

28.10.2010 08:04 von Ute Hellwich (Kommentare: 2)

... ein Fortbildungsangebot der Hundeschule Team-Dog-Lingen

Als ich neulich gelangweilt vor dem Fernseher saß und von einem Sender zum anderen zappte, erblickte ich auf einem Kanal einen jungen Mann, der in einem Kreis stand und eine lange Leine in der Hand hielt. „Oh ja, kenn ich“, murmelte ich vor mich hin, „ longieren von Pferden, aber Pferde haben wir ja nun mal nicht, also weiter zum nächsten Kanal ….“ Doch da fiel mein Blick auf das andere Ende der Leine und ich entdeckte zu meiner Überraschung keine Pferde …


Longieren von Hunden!

Wie weggeblasen war die Langeweile und gespannt folgte ich den Ausführungen des jungen Mannes, der eine neue Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeit präsentierte, die die Beziehungsqualität des Mensch-Hund-Teams deutlich intensiviert.

Aufmerksam lief sein Hund am äußeren Rand des Longierkreises entlang und reagierte freudig auf bewusste, eindeutige Signale seines Hundeführers im Zentrum des Kreises.

Eine entspannte Lernatmosphäre und eine klare Körpersprache spannten ein Band des Vertrauens zwischen Hund und Halter: Distanz schafft Nähe
.

Das muss ich ausprobieren, also flugs an den Computer gesetzt und nach Longiermöglichkeiten im Emsland gefahndet. Schnell hatte ich einen Erfolgstreffer in Lingen gelandet und noch schneller war unsere Ausbilderin Andrea zu begeistern …

Mit einer langen Schleppleine im Gepäck machten wir uns Sonntagmittag neugierig auf den Weg zur Hundeschule Team- Dog- Lingen.

Neben dem üblichen Agility-Parcours erwarteten uns dort zwei Longierkreise (aus Flatterbändern und Heringen) mit einem Durchmesser von etwa zehn Metern.

„Hier geht es nicht um eine bloße sportliche Betätigung gemeinsam mit dem Hund“, erklärte uns die Ausbilderin Heike Kempe, „ sondern um Führen und Lenken auf Distanz. Durch genaue Vorgaben lernt der Hund die Kommunikation mit seinen Menschen auf Distanz; das Vertrauen wächst, der Hund wird umweltsicherer.“
 

Zurechtlegen der LongeDas Longieren beginnt mit der Grundstellung, der Hundehalter löst die Leine und befestigt die Schleppleine am Hundehalsband. Anschließend dreht er sich zum Hund und geht rückwärts in den Longierkreis hinein, während die Schleppleine offen auf der Handfläche liegt und durch die Finger gleitet.

Im Zentrum des Longierkreises dreht sich der Hundehalter in Laufrichtung, bleibt ein wenig hinter seinem Hund stehen und motiviert ihn mit einem „Lauf“ in Bewegung zu kommen.











Longieren mit Spaß für Hund und HalterVersucht der Hund den Kreis zu betreten, geht der Hundehalter auf den Hund zu und weist ihn mit einem deutlichen „Raus“ darauf hin, dass der innere Kreis das Revier des Hundehalters ist, das er nicht zu betreten hat.

Wieder animiert der Hundehalter den Hund zum Laufen und sobald dieser am äußeren Rand des Longierkreises rund läuft, wird er mit „Fein“ bestätigt.

Beschäftigt sich der Hund während des Laufens mit Dingen, die ihn ablenken ( z.B. Schnuppern nach Gerüchen auf dem Boden, Kontaktaufnahme mit anderen Hunden) ruckt man leicht an der Leine um seine Aufmerksamkeit zu erregen und motiviert ihn mit einem „Lauf“.


Longieren fördert die BindungDie Schleppleine bleibt stets locker auf der Handfläche des Hundehalters und gleitet zwischen den Fingern. Das hintere Ende der Leine bleibt auf dem Boden hängen.

Beendet wird die Übung durch ein Stop; der Hundehalter geht zum Hund, tauscht Leine und Schleppleine gegeneinander aus und lobt den Hund ausgiebig durch Streicheln an der Brust.






Die fortgeschrittenen Longierer legen später die Schleppleine beiseite und dirigieren den Hund nur noch durch ihre Körperhaltung und kurze Kommandos in die gewünschte Richtung.

Das Endziel ist das freie Longieren ohne Markierung des Kreises.

Unser erstes Eintauchen in die Welt des Longierens hat uns sehr gut gefallen
. Trotz Kälte und Nässe sind die vier Stunden schnell verflogen und wir haben zahlreiche Impulse erhalten, die sich auf unserem Hundeplatz vertiefen lassen.

Nun heißt es Bücher wälzen, Videos über das Longieren anschauen und nach weiteren Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich suchen, damit wir im kommenden Sommer das Longieren auch auf unserem Hundeplatz verwirklichen können.

Ute Hellwich, Oktober 2010

Literatur zum Thema Longieren gibt es für Mitglieder in unserer Rubrik "Buchempfehlungen".

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Kommentar von Ralph Maas | 29.10.2010

Ein wirklich toller Bericht. Danke Ute. :-)

Kommentar von Andrea Schulte | 11.11.2010

Ein dickes Dankeschön an Ute, so einen tollen Bericht, sehr informativ und es macht neugierig auf das kommende Jahr wenn wir einen Kurs für unsere Teilnehmer anbieten.